Wir zeigen euch, wie ihr mit digitalen Design Thinking Workshops auf Basis von Daten neue, kundenzentrierte Ideen entwickelt.

Ein Design Thinking Workshop ermöglicht es dir und deinem Team, strukturiert und effizient neue Ideen zu entwickeln. Je nachdem wie viel Zeit du zur Verfügung hast und wie viel Aufwand du betreiben willst, kannst du dir dafür ein paar Stunden oder auch ein paar Tage Zeit nehmen. In diesem Artikel zeigen wir dir, mit welchen Methoden du einen Design Thinking Workshop ganz digital durchführen und Ideen entwickeln kannst. Das wichtigste dabei ist, dass ihr schnell zu konkreten Umsetzungsschritten kommt. Auch wenn dein Team also zu Hause im Home Office verstreut sitzt, könnt ihr mit dem hier vorgestellten Design-Sprint, den wir für euch beispielhaft als Video mitgeschnitten haben, ein kreatives Feuerwerk abfackeln. Los gehts!

design-thinking-workshop digital
Design Thinking Workshop - dank Zoom ganz digital (Illustration: Jana Mehrgardt)

Auf diesen Daten & Insights baut der Design Thinking Workshop auf

Beispielthema „Reise & Tourismus“

In drei Artikeln haben wir euch mit Daten rund um das Reisen in Corona-Zeiten versorgt.

Auch Visualisierungen, Inspirationen und Gedankenspiele haben wir mit reingepackt. So ist ein umfassendes Bild über den Zustand der Reisebranche entstanden: Der Tourismus ist eine Branche im (digitalen) Wandel.

Kundenbedürfnisse Reisen in Corona Zeiten
Artikel 1: Kundenbedürfnisse von Reisenden in Zeiten von Corona
Reisetrends
Artikel 2: Reisetrends, die durch Corona extra befeuert wurden
Digitalisierung im Tourismus
Artikel 3: Langfristige Digitalisierung im Tourismus

Mit diesen Daten und Insights und folgender Step-by-Step Anleitung könnt ihr jetzt selber Ideen entwickeln:

Alle Schritte des Design Thinking Workshops

Zeitaufwand: Insgesamt knapp 3 Stunden.

Tools: Zoom Call, Mural Board

Vorbereitung

Für die Vorbereitung ist es wichtig, unsere Arbeitsschritte von Anfang an zu strukturieren. Hierzu benutzen wir Mural, ein digitales Flipchart oder “Board”. Das kann man gut digital zusammen befüllen. Zum Start haben wir dort eine grobe Workshop-Agenda vorbereitet und ein paar “Frameworks” abgelegt. Also leere Vorlagen, die man später befüllt und die einem einen roten Faden bei der Ideenentwicklung liefern. Ihr könnt unsere Vorlage gerne als groben Richtwert für eure eigene Ideation-Sessions nutzen.

Start: Check-in-Runde für Design Thinking Workshop

Egal, ob online oder analog: Jede Ideenentwicklung sollte mit einer kleinen Check-in-Runde beginnen. Das ist eine Teambuilding-Maßnahme. Sie schafft Vertrauen und Vertrautheit. Besonders wenn die Teammitglieder nicht im gleichen physischen Raum sondern z.B. im Home Office, getrennt voneinander, an dem Design Thinking Workshop teilnehmen. Dann ist es besonders wichtig, eine persönliche Verbindung zu den anderen herzustellen. Wir starten immer mit einer Check-In-Frage. Sie ermöglicht einen entspannten, persönlichen Start in die Zusammenarbeit. Es ist jedem Teilnehmer überlassen, inwieweit er sich dem Team öffnen will (Pro-Tipp: Einfach trauen!).

Festlegung der Zielgruppe:
Für wen wollt ihr Ideen entwickeln?

Für unser Beispielthema „Tourismus“ gibt zwei große Nutzerinnengruppen: Pauschaltouristen und Individualreisende. Wir haben uns für die Individualreisenden entschieden. Warum? Das erfahrt ihr hier:

Zusammenfassung und Synthese der Daten als Ausgangsbasis für Design Thinking Workshops

Bevor wir Ideen entwickeln, machen wir uns an die Synthese der bisherigen Insights. Diese Sammlung geballter Erkenntnisse hatten wir euch in den ersten drei Artikeln vorgestellt. Jetzt tragen wir die wichtigsten Recherche-Ergebnisse noch einmal zusammen. Gleichzeitig legen wir fest, für welches Problem oder für welches unerfüllte Bedürfnis wir eine smarte Lösung entwickeln wollen.

Design-thinking-workshop Synthese der Insights
Design Thinking Workshop: du startest mit einer Synthese (Zusammenfassung) deines Wissens (Insights) über deine Zielgruppe

Formulierung der Wie-könnten-Wir-Fragen (WKW-Fragen)

Nachdem wir die wichtigsten Erkenntnisse und Potenzialfelder zusammengetragen haben, müssen wir jetzt entscheiden, welche Probleme wir lösen wollen. Hierfür nutzen wir als Hilfsmittel sogenannte Wie-können-wir-Fragen (WKW-Fragen). Damit definieren wir auf einen Schlag gleich drei entscheidende Start-Bausteine einer guten Ideenentwicklung.

Die WKW-Fragen-Bausteine

  • Wer ist unsere Zielgruppe, für die wir eine Lösung entwickeln wollen?
  • Welches unerfüllte Bedürfnis oder Problem hat die Zielgruppe?
  • Was steht der Bedürfniserfüllung im Wege oder welches Hindernis müssen wir überwinden?

Klingt so vielleicht noch etwas theoretisch. Also schaut euch mal an, wie wir das gemacht haben. Ihr werdet sehen: Wenn man diese drei Elemente in die WKW-Frage einbaut, kommt man zu präzisen Fragestellung. Da kann die spätere Ideenentwicklung quasi gar nicht mehr schief gehen…

Hier auch noch mal auf einen Blick unsere WKW-Fragen, wie z.B. 

“Wie können wir Individualreisenden eine intensive Reiseerfahrung mit Land und Leuten verschaffen, obwohl zwischenmenschlicher Kontakt gefährlich ist?”

Design-thinking-workshop Die WKW Fragen
Design Thinking Workshop: Formulierung der WKW-Fragen (Wie-Könnten-Wir-Fragen)

Brainstorming & Ideen entwickeln – das Herz des Design Thinking Workshops

Jetzt wird es spannend und es gilt eine Prämisse: Masse UND Klasse. Damit das gelingt und möglichst viele gute Ideen herauskommen, gibt es folgende Brainstorming-Regeln:

Brainstorming-Regeln

  1. Keine Kritik. Lasst die Gedanken sprudeln und schränkt euch erst mal nicht ein. Einfach alles rauslassen.
  2. Ideen können aufeinander aufbauen. Greift also ruhig die Gedanken eurer Mitstreiter auf und entwickelt sie weiter.
  3. Zuhören und mitschreiben. Denn nur wer zuhört, kann Ideen weiterentwickeln, Fragen stellen oder Anregungen geben. Und mitschreiben sollte man, damit keine Gedanken verloren gehen.

Wir nutzen unsere WKW-Fragen und nehmen uns für die Beantwortung der Fragen jeweils 8 Minuten Zeit. Los ging es wieder mit der WKW-Frage “Wie können wir Individualreisenden eine intensive Reiseerfahrung mit Land und Leuten verschaffen, obwohl zwischenmenschlicher Kontakt gefährlich ist?”:

Antworten auf erste WKW-Fragen:

Design Thinking Workshops Brainstorming mit WKW-Fragen
In Design Thinking Workshops helfen beim Ideenentwickeln (Brainstorming) die WKW-Fragen, da sie automatisch zu ganz konkreten Lösungsansätzen führen.

Und dann haben wir uns gleich noch eine zweite Frage geschnappt. “Wie können wir Reiseanbietern helfen, lokale Reiseformate auch nach Corona noch begehrlicher zu gestalten?” Hier, in dem folgenden Video seht ihr, wie unser Output für diese WKW-Frage ausschaut:

Brainstorming WKW-Frage 2
Ideen für die zweite WKW-Frage - das Prinzip ist klar, oder?

Am Ende haben wir pro WKW-Frage per Abstimmung eine Idee ausgewählt.

Übersetzung der Ideen in einen Prototyp mit dem “Idea-Napkin”

Nun ist es wichtig, die ersten Ideen möglichst “greifbar” zu machen. Um dabei alle wichtigen Elemente zu bedenken, nutzt man am besten Vorlagen wie das “Idea Napkin”:

Design Thinking Workshops Vorlage Idea Napkin
Das Idea Napkin ist eine hilfreiche Vorlage für alle Design Thinking Workshops: Von der Idee zum Prototyp. Alle wichtigen Elemente einer Idee werden so abgefragt.

Sobald alle Aspekte eingetragen sind, kannst du anfangen zu basteln, zeichnen oder z.B. mit Lego zu bauen. Bei der digitalen Zusammenarbeit arbeitet jeder für sich allein. Anschließend präsentiert man im Zoom-Call seine Skizzen, Scribbles oder Handyfotos. Während die anderen aus der Runde dazu Feedback geben kann man die Ideen noch verbesseren. Ziel ist es, die Ideen möglichst konkret und für alle verständlich zu machen. So sehen unsere befüllten Idea-Napkins aus:

Design Thinking Beispiele für befüllte Idea Napkins
Kreativität trifft Umsetzung: Beispiele für befüllte Idea Napkins

Hier ein Mitschnitt unserer Konzeptvorstellungsrunde der 1. Idee (AR-Guide):

Welche der Ideen ist denn nun wirklich erfolgs-versprechend? Das findet man heraus, indem man sie in der echten Welt testet. Also überlegen wir, wie wir ein Testing angehen würden:

Testen, testen, testen…! Testplanung

Beim Testen operieren wir immer unter einer Maxime. Wir wollen so schnell wie möglich, mit so wenig Aufwand und Geld wie möglich ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob es sich lohnt mit der Idee weiterzuarbeiten. Auch für die Planung der Tests haben wir eine Vorlage:

Design Thinking Testplan Vorlage
Planung des Testaufbaus: Wer die Vorlage ausfüllt weiß, wie er schnell Feedback auf die entwickelten Ideen bekommt

Der Phantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. So gehen wir die Testplanung an, z.B. bei der Idee “Green Travelling Angebote”:

design-thinking-workshop testplan ausgefüllt
Beispiel für unseren (teilweise) ausgefüllten Testplan

Beim eigentlichen Ideen-Testen zeigt sich dann schnell, wie gut man als Team gearbeitet hat. Auch kann es sein, dass man an der ein der anderen Stelle noch Anpassungen vornehmen sollte. Daher beinhaltet der weitere Verlauf von Tests bis hin zu finalen Umsetzung natürlich noch ein paar Schleifen. Eine solche Ideenentwicklung ist immer ein ordentliches Pensum an Arbeit. Aber wir denken, der wichtigste Schritt ist klar geworden: Einfach loslegen und machen. 

Hier unser Mural-Board-Ergebnis von drei Stunden intensiver Arbeit: Unser befülltes MURAL BOARD.

Ergebnis Design Thinking Workshop
Das Ergebnis des Design Thinking Workshops: ein befülltes Mural Board

Schluss: Check-out-Runde

Wir enden mit einer Check-out-Runde… Und freuen uns aufs nächste Mal!

Fazit

Jetzt könnt ihr selbst in die Ideenentwicklung starten. Das Handwerkszeug habt ihr.

Kundenbedürfnisse, Trends, Zukunftsszenarien und Design Thinking Workshop Methodik

  • Ihr wisst, wie ihr Künstliche Intelligenz und Digitale Marktforschung nutzt, um mit Daten wirkliche Kundenbedürfnisse von Reisenden in Zeiten von Corona zu identifizieren. (Hier zu Artikel 1)
  • Dann kennt ihr die relevanten Reise-Trends(Hier zu Artikel 2)
  • Basierend auf den Bedürfnissen und Trends habt ihr einen Blick in Zukunftsszenarien für die Reisebranche geworfen. (Hier zu Artikel 3)
  • Das geballte Wissen habt ihr dann in diesem digitalen Design Thinking Workshop zusammengeworfen. So habt ihr Ideen bis zum Test-Szenario entwickelt. 

Viel Spaß!

Wir hoffen, damit ihr seid jetzt gut gerüstet und vor allem inspiriert, selber kreativ zu werden! So könnt ihr den Prozess auch für eure Themen oder Branchen anwenden. Wenn ihr Fragen, Anregungen, Wünsche oder Lust auf ein gemeinsames Projekt habt, dann schreibt uns einfach. Wir freuen uns. Viel Spaß und ran an die Arbeit!

Wer ist eigentlich dieses »wir«, das diesen Artikel verfasst hat? Wir sind Blood, Dadora und Dark Horse. Drei Agenturen, die kreative Innovationsentwicklung betreiben und leben. Für einige große Projekte bündeln wir unsere Expertisen: Dadora sammelt Daten und bereitet sie auf. Dark Horse entwickelt Konzepte für neue Produkte und Services. Blood setzt diese Konzepte um und bringt sie mit smarten Strategien in den Markt. Die Grenzen sind natürlich fließend. Alles geht Hand in Hand, von Anfang bis Ende. Wie bei einem dreiköpfigen Zerberus, aber in lieb.

Möchtest Du mit uns über Dein Thema sprechen und herausfinden, ob wir Daten, Hirnschmalz und Ideen haben, um Deine Probleme zu lösen, dann melde Dich gerne bei uns!

Wenn die Welt unsicher wird, liegt die “Flucht” ins Digitale nahe. Die Reisebranche wird gerade gezwungen, neue Lösungen zu finden, um das Fernweh der Menschen zu stillen. Wir hätten da ein paar Beispiele und Anregungen.

Marktforschung Digitalisierung Tourismus
Funky VR-reisen? Die Digitalisierung des Tourismus kommt (Illustration: Nadine Wehking)

Digitales Reisen ist mehr als online buchen!

Virtual und Augmented Reality – wichtig für die Digitalisierung im Tourismus

Gegenüberstellung von VR und AR
Nur um ganz sicher zu gehen: DAS ist der Unterschied zwischen VR und AR.

1: VR sorgt für Entscheidungs-Sicherheit und macht Lust auf Reisen

Die meisten Menschen sind nicht nur Gewohnheitstiere, sondern auch Planungsfreaks. Die Analyse von über 33.000 Diskussionen zum Thema “Planen” zeigt ein zunehmend großes Bedürfnis von Urlaubern: Sie wollen schon vor Reiseantritt wissen, was genau sie im Urlaub erwartet. 

Grafik mit Trendanalyse aller Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003, die sich um das Reisebedürfnis »planen« drehen. Insgesamt 33.279 Diskussionen zeigen im gesamten Zeitverlauf eine Relevanzsteigerung von 105 Prozent.
Trendanalyse aller Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003, die sich um das Reisebedürfnis »planen« drehen. Insgesamt 33.279 Diskussionen zeigen im gesamten Zeitverlauf eine Relevanzsteigerung von 105 Prozent.

„Ist es laut? Ist das Zimmer oder Bad sehr klein? Verfügt das Hotel auch über Betten in Extralänge? Wie groß sind der Schrank und die Kofferablage? Was gibt es beim Frühstück? Ist der Parkplatz auch für größere Fahrzeuge geeignet? Das will ich vor der Abfahrt alles wissen.“

(O-Ton Pauschaltourist)

Corona verstärkt das Verlangen nach Planung und Sicherheit

Ein 360-Grad-Foto: Ohne den passenden Viewer siehts immer verzogen aus.
Ein 360-Grad-Foto: Ohne den passenden Viewer siehts immer verzogen aus. Ein Schritt auf dem Weg zur Digitalisierung von Tourismus.

2: Hybride Reisen — das Beste aus analoger und digitaler Welt

Audio-Guides sind aus Museen und Sightseeing-Touren nicht mehr wegzudenken. Sie sind gewissermaßen die erste Form einer AR-Anwendung, die sich flächendeckend durchgesetzt hat. Das zeigen auch unsere Daten:

Grafik von Trendanalyse aller Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003, die sich um »Audio-Guide« drehen: Relevanzsteigerung von Audio-Guides um +149 Prozent (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 4.170 Diskussionen. (Studie Digitalisierung Tourismus)
Trendanalyse aller Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003, die sich um »Audio-Guide« drehen: Relevanzsteigerung von Audio-Guides um +149 Prozent (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 4.170 Diskussionen. (Studie Digitalisierung Tourismus)

Audio-Guides: die erste Form einer AR-Anwendung

So ersetzen Audio-Guides als digitale Lösung die klassische Führung. Dazu geben sie Besuchern die Möglichkeit, die Geschwindigkeit und Route des Rundganges selbst zu bestimmen. Auch liefern sie unaufwendig eine Fülle an Hintergrundinformationen.

Grafik von Semantische Karte zu dem Begriff »Audio-Guide« aus allen Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003: Vom Vatikanischen Museum in Rom über die Tower Bridge oder die Tate Modern in London, bis hin zum Museum of Modern Art in New York — die Welt erschließt sich über Audio-Guides. (Studie Digitalisierung Tourismus)
Semantische Karte zu dem Begriff »Audio-Guide« aus allen Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003: Vom Vatikanischen Museum in Rom über die Tower Bridge oder die Tate Modern in London, bis hin zum Museum of Modern Art in New York — die Welt erschließt sich über Audio-Guides. (Studie Digitalisierung Tourismus)

Zwar gibt es Audio-Guides schon seit 1952 und sie sind gewiss nicht der funky Shit, der die Reisebranche der Zukunft bestimmen wird. Doch mit neuen VR- oder AR-Anwendungen erklimmt das Konzept des Audio-Guides nun die nächste Entwicklungsstufe. Denn das Museums-Prinzip lässt sich natürlich auch auf andere Bereiche des Reiseerlebnisses übertragen. So entstehen neue Hybrid- oder Mixed-Reality-Reisen.

Selbstständig auf digitaler Städtetour: Das Konzept des Audio-Guides erklimmt die nächste Entwicklungsstufe

Bei AirBnB gibt es beispielsweise schon jetzt Gastgeber, die via Zoom Einblicke in die verschiedensten Bereiche ihrer Stadt oder ihres Landes geben. Angefangen bei der Entdeckung von Sangria Geheimnissen mit Dragqueens in Portugal oder einer virtuellen Stadtführung durch das London von Harry Potter bis hin zu einer virtuellen Geschichtstour mit einem Pestarzt durch das Prag im Jahre 1713.

Mit dem Pestarzt durch Prag, was für eine grandiose, edukative Idee in Zeiten von Corona… (Screenshot: AirBnB)
Mit dem Pestarzt durch Prag, was für eine grandiose, edukative Idee in Zeiten von Corona… (Screenshot: AirBnB)
Semantische Karte zu dem Begriff »anschauen« aus allen Diskussionen von Individualtouristen seit 2007, die sich um Sightseeing drehen. (Studie Digitalisierung Tourismus)
Semantische Karte zu dem Begriff »anschauen« aus allen Diskussionen von Individualtouristen seit 2007, die sich um Sightseeing drehen. (Studie Digitalisierung Tourismus)

Ob Schmetterlingsparks, Wasserpaläste oder den Mount Batur — das sind alles relevante Besichtigungsziele, die man sehen will, für die jedoch (auch das zeigen die Daten) oft zu wenig Zeit ist, um alle in der eng getakteten Reiseagenda unterzubekommen. Ganz anders in der virtuellen Version…

3: Gemeinsamer Kurzurlaub vom Sofa aus — inklusiv und nachhaltig

Neben der Entdeckung von Orten ist der Austausch mit Menschen das wohl wichtigste Element, das aus einem Urlaub eine unvergessliche Erfahrung macht. Speziell in der sozialen Interaktion scheint VR erstmal keinen sonderlich prickelnden Beitrag leisten zu können. Denn die Nummer mit der VR-Brille auf dem Kopf wirkt doch eher wie etwas für nerdige Einzelgänger.

Stippvisiten ohne Aufwand

Nur mal kurz in die Wüste Gobi … ist heiß da.
Nur mal kurz in die Wüste Gobi … ist heiß da.
Machu Pichu ist ja auch nicht eben um die Ecke (Screenshot: You Visit)
Machu Pichu ist ja auch nicht eben um die Ecke (Screenshot: You Visit)

Reisen in Begleitung – ganz digital

Fazit Digitalisierung Tourismus: Die wichtigsten Erkenntnisse

Digitale Appetizer für höhere Konversionsraten

Virtual-Reality-Anwendungen und 360-Grad-Touren als digitale Appetizer bieten einen Vorgeschmack auf den eigentlichen Urlaub. Schon jetzt führen solche Angebot zu höheren Konversionsraten bei der Buchung von Unterkünften.

Eine neue Barrierefreiheit, Klimafreundlichkeit inklusive

Wer ist eigentlich dieses »wir«, das diesen Artikel verfasst hat? Wir sind Blood, Dadora und Dark Horse. Drei Agenturen, die kreative Innovationsentwicklung betreiben und leben. Für einige große Projekte bündeln wir unsere Expertisen: Dadora sammelt Daten und bereitet sie auf, Dark Horse entwickelt Konzepte für neue Produkte und Services und Blood setzt diese Konzepte um und bringt sie mit smarten Strategien in den Markt. Die Grenzen sind natürlich fließend. Alles geht Hand in Hand, von Anfang bis Ende. Wie bei einem dreiköpfigen Zerberus, aber in lieb.

Möchtest Du mit uns über Dein Thema sprechen und herausfinden, ob wir Daten, Hirnschmalz und Ideen haben, um Deine Probleme zu lösen, dann melde Dich gerne bei uns!

In unser Marktforschung zum Thema Reisen blicken wir weiterhin in die Daten und stellen fest: Reisen verändert sich. Nicht nur in diesem Sommer, sondern auch darüber hinaus. Es gibt 5 große Trends für die Reisebranche, die sich heute schon abzeichnen.

Marktforschung Reisetrends Tourismus
Spezieller & extremer reisen während und nach Corona - Studie Marktforschung Reisen. (Illustration: Yasemin Boyraz)

In unserem ersten Artikel Urlaubslust und Reisefrust haben wir bereits den Einfluss des Corona-Virus auf die Reisevorlieben der Deutschen untersucht: Während sich bei Pauschaltouristen wenig verändert, haben Individualtouristen durch Corona mit einer Vielzahl von Herausforderungen zu kämpfen, was zu einer Umstellung ihrer Reiseplanung vermutlich bis mindestens Mitte 2021 führen wird. Fernreisen werden vermieden, man bleibt in Deutschland und im nahen europäischen Ausland. Die traditionelle Reisebranche ächzt und darbt und wird gezwungen, sich mal eben neu zu erfinden.

Wie wir der Wegfall von Fernreisen kompensiert?

Doch der Wunsch nach intensiven Reiseerfahrungen bleibt. Wie lässt sich also der Wegfall von Fernreisen kompensieren? Führt die Pandemie zu neuen Reisetrends? Wir wagen eine Prognose auf Basis einer Big-Data-Analyse und Digitaler Marktforschung von 2,7 Millionen Forendiskussionen zum Thema Reisen (eine ausführlichere Erklärung gibts im ersten Absatz von Teil 1).

Bevor wir ins Detail gehen: Eines wird aus den Daten schnell offensichtlich — weil eine Reise bis ans Ende der Welt oder in exotischere Gefilde nicht mehr möglich ist, wird das Reisen in die Nähe spezialisierter und extremer. Der Psychoanalytiker C. G. Jung würde dieses Verhalten als Kompensation bezeichnen.

Marktforschung Reise-Trend Urlaubsspezialisierung

Individualurlauber suchen im Urlaub nach intensiven Erfahrungen. Daran wird auch Corona nichts ändern, allerdings an der Wahl ihrer Ziele! Wir vermuten, dass Deutschland und die EU als Urlaubsdestination in den nächsten zwei Jahren zur bevorzugten Wahl werden. Diese Länder bieten Individualis mehr Sicherheit als exotischere Ziele. Und sie werden dort ihren Wunsch, Intensives zu erleben und aktiv zu sein, kompensieren. Wir glauben daher, dass Individualis Treiber einer neuen Urlaubsspezialisierung werden, die wir aus vielen anderen Branchen kennen.

Der Wunsch, Intensives zu erleben

Beispiel Fahrrad: Wer heute eins kaufen will, weiß, dass es für jedes Ziel und jeden Anlass das passende Gefährt gibt — vom städtischen Singlespeed, übers Downhillbike bis zum Gravelbike. Dieser Trend zur Spezialisierung lässt sich auch in anderen Bereichen wie Ernährung, Achtsamkeit und Fitness ausmachen. Wir sehen im Wegbrechen von Fernreisen eine große Chance für deutsche und europäische Anbieter, den Urlaubsmarkt innerhalb Deutschlands und in der EU exotischer zu gestalten.

Unter Wasser Bild nicht die Ostsee
Und mit dem passenden Farbfilter sehen auch Fotos von Quallen in der Ostsee viel cooler aus (das ist übrigens NICHT die Ostsee im Bild).

Aus diesen fünf Trends, basierend auf Natur-, Freizeit-, Essens-, Sport- und Gesundheitsbedürfnissen, entstehen neue Urlaubsformate:

1. ACTIVATE ME 

„Abenteuer heißt für mich: mindestens eine Woche voller Action und nicht nur ein kurzer Adrenalinkick. Nur faul in der Sonne liegen, finde ich furchtbar, da interessieren mich motorisierte Sportarten im Urlaub viel mehr! Am liebsten würde ich den ganzen Tag (nicht nur eine halbe Stunde) Jetski oder Speedboat fahren. Wichtig ist, dass ich selber fahren darf. Oder auch Parasailing, Wingsuitfliegen … alles Aktivitäten, die ich echt spannend finde!"

(O-Ton Individualreisender)

Egal ob bei Pauschal- oder Individualtouristen: Gespräche über Aktivurlaube haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Grafik einer Trendanalyse aller Diskussionen von Pauschaltouristen, die sich um »Aktivurlaub« drehen seit 2003. Studie Marktforschung Reisen.
Trendanalyse aller Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003, die sich um »Aktivurlaub« drehen: Relevanzsteigerung um +158 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 522 Diskussionen. Studie Marktforschung Reisen.

Im wohlverdienten Urlaub darf und soll zwischen Cocktail und Strand auch mal was passieren. Die Bandbreite der Aktivitäten ist groß, ob wandern oder biken, surfen oder tauchen. Hauptsache, es ist was los! Das erklärt, warum sich die bayerische Voralpenregion vor outdoorfreudigem Besucherandrang kaum retten kann und Fahrradhändler mit dem Verkaufen und Hersteller mit dem Produzieren nicht hinterherkommen. 
Würde man Daten in Musik übersetzen, wäre Bicycle Race von Queen eine adäquate Hymne für diesen Hype.

Adrenalin im heimischen Aktivurlaub

Durch die Corona-Erfahrung wird diese einfache Art des Ferienmachens wieder populär. Wir glauben, dass damit auch die Grenzen zwischen Urlaub (Real-Holidays) und Freizeit (Near-Holidays) verschwimmen! Radtouren, Zelten, Tagestrips, Wochenend-Campen, kleine Abenteuer vor Ort etc. sind kleine Urlaubshäppchen für den Alltag.

Mikroabenteuerurlaub mit dem Fahrrad
Der Mikroabenteuerurlaub mit dem Fahrrad kommt.

Wir werden in den nächsten Jahren wieder das zu nutzen lernen, was unsere unmittelbare Umgebung hergibt und rüsten uns hardwareseitig auf. Gerade jüngere Generationen können solche Kurzformate leicht in ihre Work-Life-Balance integrieren. Einen ganzen Urlaub als Legitimation, um endlich aktiv zu werden, braucht nur die klassische Leben-um-zu-arbeiten-Generation. So oder so. Der Wunsch aktiv zu sein, ist auch eine gute Nachricht für die gesamte Freizeitbranche.

Was verstehen Pauschaltouristen unter »Aktivurlaub«?

Grafik der Semantisch ähnliche Worte zu dem Begriff »Aktivurlaub« aus allen Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003, die sich um »Aktivurlaub« drehen. Studie Marktforschung Reisen.
Semantisch ähnliche Worte zu dem Begriff »Aktivurlaub« aus allen Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003, die sich um »Aktivurlaub« drehen. Studie Marktforschung Reisen.
Grafik der Trendanalyse aller Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003, die sich um »Wandern« drehen: Relevanzsteigerung um +92 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 7.500 Diskussionen. Studie Marktforschung Reisen.
Trendanalyse aller Diskussionen von Pauschaltouristen seit 2003, die sich um »Wandern« drehen: Relevanzsteigerung um +92 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 7.500 Diskussionen. Studie Marktforschung Reisen.
Grafik einer Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2015, die sich um Urlaub mit dem »Fahrrad« drehen: Relevanzsteigerung um +259 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 947 Diskussionen. Studie Marktforschung Reisen.
Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2015, die sich um Urlaub mit dem »Fahrrad« drehen: Relevanzsteigerung um +259 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 947 Diskussionen. Studie Marktforschung Reisen.

2. SLOW ME DOWN

Wenn uns Corona eins gezeigt hat, dann, wie faszinierend es war, in einer Welt ohne Fluglärm zu leben. In einer Stadt ohne Autoverkehr. Einen Himmel zu sehen, ohne Kondensstreifen (so konnten selbst Aluhutträger mal kurz verschnaufen, zumindest beim Thema Chemtrails). Diese Entspannung haben viele für sich wiederentdeckt.

Minimalismus & Runterkommen in der Natur

In der Langsamkeit, möglichst nah an der Natur, wird auch das Reisen wieder zu einer Intensiverfahrung. Zu sich. Zu anderen. Zur Natur. Ob Retro-Reisen mit der Postkutsche, mit dem Fahrrad, dem Floß, dem Hausboot, zu Fuß etc. Anbieter können sich hier kreativ austoben. Hauptsache, es geht langsam voran! Denn viele werden in den nächsten Jahren im Ausgebremstsein einen neuen Benefit erkennen, den man sich als Gegenpol zu einer hoch beschleunigten Welt bewusst gönnen möchte.

„Landschaft ist uns wichtig, dann kann man auch fotografieren, und Ruhe - aber auch nicht zu viel Ruhe - und Dinge, die es woanders nicht gibt. Wir finden auch alles super, was mit Tieren zu tun hat, zum Beispiel der Besuch einer Schaffarm, das wäre spannend."

(O-Ton Individualreisende)
Grafik einer Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2007, die sich um »Ruhe« drehen: Relevanzsteigerung um +215 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 1.134 Diskussionen. Studie Marktforschung Reisen.
Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2007, die sich um »Ruhe« drehen: Relevanzsteigerung um +215 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 1.134 Diskussionen. Studie Marktforschung Reisen.

3. RETREAT ME 

Auch das hat Corona deutlich gemacht: Unser Körperbewusstsein trotzt jeder Krise. Zwischen dem 20. und 27. März stieg bei YouTube die Zahl der Aufrufe um 63 % für Gesundheits- und Fitnessvideos. Das konnte die Social-Video-Analyse-Firma Tubular Lab zeigen.

Wellness & Detox zu Hause und im nahen Umkreis

Mit Beginn des Lockdowns am 23. März war gefühlt ganz Deutschland im Joggingfieber. Hauptsache raus, Hauptsache bewegen! So werden sich auch ganze Urlaube noch stärker an Gesundheits- und Immunstärkungszielen ausrichten, vermuten wir. Mit Detoxing, Ayurvedakuren, heilfasten und Yogaretreats reseten wir uns von exzessiven Lebensweisen oder stärken uns für den Rest des Jahres. Askese und Selbstoptimierung stehen hier über allem! Die Destination ist dabei erst mal zweitrangig. Dorthin lotsen dann entsprechende Keywords, Hashtags oder Empfehlungen. Anbieter, die sich hier klar als Selfcare-Oasen positionieren und SEM, SEO sowie Influencer für sich zu nutzen wissen, machen das Rennen.

„Ich will Anfang des Jahres zwei Wochen Urlaub machen, um mal zur Ruhe zu kommen. Aber auch ein wenig, um mich selbst zu finden. Dazu würde ich gerne Yoga machen, meditieren oder vielleicht auch aufs SUP (Stand Up Paddling)."

(O-Ton Individualreisende)
Bild von Yoga im Sonnenuntergang an der Nordsee
Yoga im Sonnenuntergang an der Nordsee - hat was!
Grafik einer Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2015, die sich um »Yoga« drehen: Relevanzsteigerung um +294 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 95 Diskussionen.
Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2015, die sich um »Yoga« drehen: Relevanzsteigerung um +294 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 95 Diskussionen.

4. HIDE ME AWAY 

Durch Corona hat sich unser Verhältnis zu Menschenmassen geändert. Wir meiden touristische Hotspots und suchen unsere Erholung in verlassenen Gegenden. Auch aus Angst vor erneuten, mutierten oder neuartigen Viren. Eine neue Reisekategorie könnte sich dadurch ihren Weg bahnen: „Nah entfernte Orte“. Nicht nur aus Umweltgründen, sondern vor allem aus dem Wunsch nach Sicherheit und Bequemlichkeit wächst die Attraktivität solcher Orte. Kein Flug, keine Einschränkungen, keine Ängste. Einfach nur genießen.

Raum und Abstand von den Massen

Das Urlaubserlebnis sucht man nun nicht mehr in der Exotik des Reiselandes, sondern im Besonderen der Nähe (und in Nachbarländern) — vom modernen Tiny House im Grünen über „alternative Campingplätze“ bis zum Kleinod mit Bauernhof-Ambiente.

„Ich liebe die Lüneburger Heide. Sie ist groß, es gibt tolle einsame Ecken. Von Hamburg aus ist sie sehr gut mit dem Auto oder Zug zu erreichen. Die Stadt Lüneburg ist toll und fast komplett als Fachwerk erhalten. Super einsam wird es hinter Uelzen, bei Bokel gibt es super Möglichkeiten zum Wandern. Etwas ländlicher ist übrigens das Gut Bardenhagen - auch eine gute Adresse, um unterzukommen."

(O-Ton Individualreisender)
Klein, aber oho, so ein Tiny House.
Klein, aber oho, so ein Tiny House.
Grafik einer Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2015, die sich um »einsam« drehen: Relevanzsteigerung um +237 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 230 Diskussionen.
Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2015, die sich um »einsam« drehen: Relevanzsteigerung um +237 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 230 Diskussionen.

5. SHOW ME 

Corona hat Videoconferencing zum Durchbruch verholfen. Eine neue Kulturtechnik, die jenseits von langweiligen Businessmeetings auch aufregende (Reise-)erfahrungen möglich macht!

Instant-Urlaubserlebnisse von zu Hause aus

Denn die Leute wollen was lernen. Sei es — vor Corona — Salsa tanzen in Lima, Ski fahren in den Dolomiten, Hindi in Rishikesh, Thai-Paarmassage in Chiang Mai, Niederländisch in der Karibik auf St. Maarten oder Silber schmieden in Taxco, Mexiko.

„Wollte ja eigentlich Niederländisch auf St. Maarten lernen. Hab mich dann umentschieden. Habe in Kapstadt Afrikaans gelernt! War echt super, die Sprache ist total lustig und relativ leicht und die Stadt einfach nur der Hammer!"

(O-Ton Individualreisende)
Grafik einer Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2007, die sich um »lernen« drehen: Relevanzsteigerung um +171 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 1.401 Diskussionen.
Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2007, die sich um »lernen« drehen: Relevanzsteigerung um +171 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 1.401 Diskussionen.

Diesen Wissensdurst hat Corona in eine deutlich lokalere Veranstaltung gewandelt, was AirBnB mit dem Format Entdecke die Welt von zuhause aus erkannte: „Kochen mit preisgekrönten Küchenchefs“, „Meditation mit einem buddhistischen Mönch aus Japan“, „Handyfotografie mit einem National-Geographic-Gewinner“, „Kenianische Hausmannskost aus meiner Familienküche“ zeigen, was geht, wenn nichts geht, außer das Netz und der Rechner!

Screenshot AirBnB_Kenianische Hausmannskost aus meiner Familienküche
Wir haben Hunger! (Screenshot: AirBnB)

Und weil die Sommer in Deutschland immer heißer werden, könnte man spätestens bei „Haute Cuisine aus Rom mit Chefköchin Cristina“ auf die Idee kommen, für 60 Euro Bella Italia ins eigene Wohnzimmer zu holen. Welche Rolle virtuelle Entdecker-Formate in Zukunft spielen werden, schauen wir uns im vierten Artikel unserer Serie noch genauer an.

Fazit: Die wichtigsten Erkenntnisse (tl;dr)

Ging es beim ersten Artikel dieser Serie noch darum, zu zeigen, dass Pauschaltouristen und Individualreisende bei aller Unterschiedlichkeit doch ein gemeinsames Bedürfnis eint — Planungssicherheit! — , so zeigen die Daten, dass die interessanteren Trends bei den Individualis entstehen werden. Davon profitieren natürlich auch die Pauschalis …

Wunsch, spezieller und extremer in die Nähe zu reisen

Die exotische Fernreise wird größtenteils durch den Wunsch, spezieller und extremer in die Nähe zu reisen, kompensiert. So lautet jedenfalls der Plan. Das heißt: Reiseanbieter, die sich spezialisieren und Vertrauen ausstrahlen (und dieses natürlich nicht verspielen wie mancher Touristik-Tanker), können profitieren.

Auf individueller Ebene werden Urlaubserfahrungen extremer: extremer entspannen, extremer Natur erleben, extremer den Körper verbiegen, extremer ernähren, extremer runterkommen, extremer allein sein, extremer langsam sein.

Wer ist eigentlich dieses »wir«, das diesen Artikel verfasst hat? Wir sind Blood, Dadora und Dark Horse. Drei Agenturen, die kreative Innovationsentwicklung betreiben und leben. Für einige große Projekte bündeln wir unsere Expertisen: Dadora sammelt Daten und bereitet sie auf, Dark Horse entwickelt Konzepte für neue Produkte und Services und Blood setzt diese Konzepte um und bringt sie mit smarten Strategien in den Markt. Die Grenzen sind natürlich fließend. Alles geht Hand in Hand, von Anfang bis Ende. Wie bei einem dreiköpfigen Zerberus, aber in lieb.

Möchtest Du mit uns über Dein Thema sprechen und herausfinden, ob wir Daten, Hirnschmalz und Ideen haben, um Deine Probleme zu lösen, dann melde Dich gerne bei uns!

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Die ersten Flieger nach Mallorca heben ab. Und die Deutschen entdecken zwangsweise das eigene Land neu. Wir haben in die Daten geblickt: Wie Corona unmittelbar den Tourismus und die Reiseplanung beeinflusst. Es ist eine Momentaufnahme. Und ein Fingerzeig für Trends in der Reisebranche.

Marktforschung Kundenbedürfnisse Tourismus und Reise
Tourismus und Reisen in Zeiten von Corona - eine Marktforschungsstudie. (Illustration: Mike Schöllhorn)

Eines vorweg: Für den folgenden Artikel haben wir die Reisebedürfnisse der Deutschen mithilfe von Big Data und Natural Language Processing ausgewertet. Als Basis unserer Erkenntnisse dienen uns insgesamt etwa 2,7 Millionen öffentlich zugängliche Diskussionen in großen deutschen Reiseportalen von rund 160.000 Forennutzern übers Thema Reisen. Sie wurden für ein gemeinsames Projekt mit der Union Reiseversicherung/ Union Krankenversicherung (URV/UKV) zur Analyse von Reisebedürfnissen ausgewertet. Die Diskussionen sind über einen Zeitraum von Anfang 2003 bis Mai 2020 entstanden.

Die Daten sind anonym, der Inhalt aber ist echt und unbeeinflusst von außen. So ergibt sich ein reales Bild der Wirklichkeit und Stimmungslage der Menschen in Deutschland. Tiefer liegende Themenzusammenhänge werden in der Auswertung sichtbar, die sowohl die rationale wie auch emotionale Ebene widerspiegeln.

Wir unterscheiden zwei große Gruppen von Reisenden: Pauschaltouristen und Individualreisende. Natürlich leben wir in einer Welt der Zwischen- und Grautöne und nicht jeder Pauschali (wie wir ihn und sie liebevoll nennen) bucht jeden Urlaub als Komplettpaket vom Reiseveranstalter. Aber für die Analyse hilft diese grobe Unterscheidung, denn die Bedürfnisse beider Gruppen sind sehr unterschiedlich.

Pauschaltouristen: Ob Malle oder Madrid — Hauptsache Türkei!

Bei den Pauschalis ist grundsätzlich alles dem Diktum der Stressvermeidung unterworfen. Das Budget im Kopf, das ungefähre Reiseziel im Blick (irgendwas mit Strand und Sonne), so soll die Reisebuchung schnell und unkompliziert vonstattengehen. Dann kann der Urlaub beginnen.

Grafik mit den wichtigsten Reisebedürfnissen von Pauschaltouristen von Anfang 2003 bis Ende 2019. (Datenanalyse Tourismus, Reisen und Corona)
Die wichtigsten Reisebedürfnisse von Pauschaltouristen von Anfang 2003 bis Ende 2019. Die Daten wurden mit freundlicher Zustimmung der URV/UKV zur Veröffentlichung freigegeben (Marktforschung Tourismus, Reisen und Corona).

Corona und die damit verbundenen Reisebeschränkungen haben vielen Plänen jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Vergleich zu Individualtouristen (dazu gleich mehr) fallen die Pauschalis aber weicher. Solange die Entspannung am Strand sichergestellt wird, ist das Reiseziel letztendlich beliebig: Hauptsache Cocktail in der Hand, Sand unter den Füßen und die richtige Hotelkategorie. Hedonismus pur.

Der Reiseveranstalter übernimmt die Organisation und Lösung von Problemen, das bewährt sich vor allem in so unsicheren Zeiten wie jetzt. Die Pauschalis sind also happy, solange Reisen angeboten werden und Reiseänderungen kostenneutral möglich sind, sodass sie auf plötzliche Corona-Einschränkungen reagieren können.

„Seit das mit Corona losging haben wir gesagt, wir fliegen, komme was wolle. Stornieren kommt nicht infrage, da man sowieso nichts erstattet bekommt. Wir machen nur eine Planänderung, wenn der Reiseveranstalter was anderes entscheidet oder eine Empfehlung gibt."

(O-Ton Pauschaltouristin)
Grafik mit den wichtigsten Reisebedürfnissen von Pauschaltouristen während der Corona Pandemie von Januar bis Mai 2020. (Datenanalyse Tourismus, Reisen und Corona).
Die wichtigsten Reisebedürfnisse von Pauschaltouristen während der Corona-Pandemie von Januar bis Mai 2020 (Marktforschung Tourismus, Reisen und Corona).

Aufgrund der Daten ergeben sich für uns zwei Potenzialfelder für neue, möglicherweise innovative Angebote für Pauschaltouristen: Die Frage Wer gibt mir Sicherheit, dass ich meine geplante Reise möglichst kostenneutral ändern kann, wenn Corona eine Planänderung erfordert? beschäftigt die Pauschalis ungemein, daher braucht es hierfür Antworten. Corona muss also in die Reiseplanung integriert werden.

Auch eine wichtige Frage: Wie vermeide ich, dass ich im Urlaub oder nach dem Urlaub in Quarantäne muss? Gerade Pauschalis haben nur eine begrenzte Zeit im Jahr für den Urlaub und wollen ihn in vollen Zügen auskosten. Muss man jetzt plötzlich kurz vor oder während der Reise in Quarantäne, kommt es zum Super-GAU: Statt Entspannung am Strand zwei Wochen Quarantäne in den eigenen vier Wänden oder gar am Urlaubsziel und das Geld in den Sand gesetzt. Statt sich selbst.

„Ich wollte morgen nach Ägypten fliegen, werde die Reise aber nicht antreten. Was, wenn ich dort positiv auf Corona getestet werde und dann zwei Wochen in Quarantäne muss?! Oder jemand im Flugzeug oder auf der Anlage hat es und alle müssen in Quarantäne? Die zusätzlichen Kosten muss ich dann auch noch zahlen. Nein danke!“

(O-Ton Pauschaltourist)
Draußen ist Urlaub, drinnen nur schnöde Quarantäne.

Individualreisende: Fällt ein Dominostein, fällt alles.

Ein großes Charakteristikum der Individualis (ja, wenn die Pauschaltouristen einen Spitznamen bekommen, müssen die anderen auch daran glauben) ist ihre Reisemotivation: Sie wollen fernab der Touristenströme Land und Leute kennenlernen, in die Kultur eintauchen, mit Einheimischen in Kontakt treten und einzigartige Reiseerfahrungen sammeln, da kommt die Entspannung dann ganz von alleine.

Die individuelle Reisevorbereitung und -buchung ist dabei Teil der Urlaubs(vor)freude und wichtiges Element der Reise. Daher überlassen Individualis sie keinem Veranstalter, sondern stellen sie sich selbst zusammen: Sie buchen Flüge über Onlinebuchungsportale, reservieren Hotels oder Mietwagen in Eigenregie.

Grafik mit den wichtigsten Reisebedürfnissen von Individualtouristen von Anfang 2007 bis Ende 2019. (Datenanalyse Tourismus, Reisen und Corona)
Die wichtigsten Reisebedürfnisse der Individualreisenden von Anfang 2007 bis Ende 2019 (Marktforschung Tourismus, Reisen und Corona).

Wer sich in den vergangenen Wochen auf deutschen Reiseforen herumtrieb, dem schallte daher geballter Frust entgegen. Klar, denn Corona offenbarte die Tücken dieser eigenständigen Reisebuchung: AGBs von Buchungsportalen schließen das Erstatten von Flügen aus, auch wenn die Fluggesellschaften Stornos (bei Direktbuchungen) gewähren. Service-Hotlines sind nicht ausreichend besetzt, sodass viele Reisende auch Wochen später noch auf Antwort warten.

„Ausgerechnet jetzt in der schwierigen Zeit von Covid-19 ist man auf Hilfe und Austausch mit dem Buchungsportal angewiesen. Mitnichten! Wartezeiten am Telefon von eineinhalb Stunden bis mal ein Kontakt zustande kommt. Keine Antworten auf Anfragen via E-mail.“

(O-Ton Individualreisende)
Grafik mit den wichtigsten Reisebedürfnissen von Individualtouristen während der Corona Pandemie von Januar bis Mai 2020. (Datenanalyse Tourismus, Reisen und Corona).
Die wichtigsten Reisebedürfnisse von Individualtouristen während der Corona-Pandemie von Januar bis Mai 2020 (Marktforschung Tourismus, Reisen und Corona).

Reservierte Hotels vertreten den Standpunkt, das Hotel habe geöffnet und könne genutzt werden, selbst wenn gestrichene Flüge und verbotene Grenzübergänge eine Anreise unmöglich machen. Dasselbe passiert bei Mietwagen und anderen Reisebausteinen. Vorfreude weicht Ärger und Unsicherheit — Corona macht einen Strich durch alle Planbarkeit. Umso wichtiger werden verlässliche Informationen über Corona-Entwicklungen vor Ort, wie über aktuelle Handhabungen von Einreiseverfahren oder Quarantänevorschriften.

Insgesamt sehen sich Individualis mit einer volatilen, kaum planbaren Reisesituation konfrontiert. Die Daten zeigen, dass viele Fernreisen deshalb erst einmal aufs nächste Jahr vertagt werden, denn für das Reiseziel haben sich die Individualis ja in der Regel bewusst entschieden. Anders als bei den Pauschalis ist das Reiseziel nicht beliebig, einen sinnvollen Reiseersatz im Ausland zu finden, fällt schwer.

Die Sehnsucht nach einem kulturellen Reiseerlebnis aber bleibt! Um Planungssicherheit zu haben und spontan auf lokale Corona-Einschränkungen reagieren zu können (wer sich etwa schon immer mal das barocke Wasserschloss Holte im Kreis Gütersloh anschauen wollte, muss das aktuell verschieben), werden spontanere Reisen in Deutschland oder leicht zu erreichenden, angrenzenden Staaten geplant.

Der bereits seit längerer Zeit zu beobachtende Trend zu selbstbestimmten Reiseformaten wie etwa das Urlauben im Wohnmobil, mit dem Camper und seit Neuestem auch mit dem Hausboot erhält durch Corona einen deutlichen Schub:

Grafik einer Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen, die sich um »Camper« drehen seit 2015. (Datenanalyse Tourismus, Reisen und Corona).
Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2015, die sich um »Camper« drehen: Relevanzsteigerung von Campern um +293 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 1.036 Diskussionen (Marktforschung Tourismus, Reisen und Corona).
Grafik einer Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen, die sich um »Wohnmobile« drehen seit 2015. (Datenanalyse Tourismus, Reisen und Corona).
Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2015, die sich um »Wohnmobile« drehen: Hier sehen wir eine Relevanzsteigerung von Wohnmobilen um +288 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 897 Diskussionen (Marktforschung Tourismus, Reisen und Corona).
Grafik einer Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen, die sich um »Hausboote« drehen seit 2015. (Datenanalyse Tourismus, Reisen und Corona).
Trendanalyse aller Diskussionen von Individualtouristen seit 2015, die sich um »Hausboote« drehen: Hier sehen wir eine Relevanzsteigerung von Hausbooten um +419 % (Berechnung der linearen Regression) bei insgesamt 78 Diskussionen (Marktforschung Tourismus, Reisen und Corona).

„In diesem Jahr werde ich wohl keine Reise mehr antreten und wenn, dann nur in Deutschland und mit dem Wohnmobil.“

(O-Ton Individualreisender)
Ist ja auch mal schön, so direkt am Wasser, ohne Strandtuchverkäufer*innen.

Und nun: Wie sieht sie aus, die Zukunft des Reisens?

Wir vermuten, dass der Individualtourismus in exotischeren Ländern länger und tief greifender an den Folgen der Corona-Krise leiden wird. Selbst wenn 2021 der Großteil der Deutschen (hoffentlich) geimpft oder durchseucht ist, stellen sich noch immer Fragen: Kann ich bei so vielen unsicheren Faktoren das Reiseerlebnis mit Land und Leuten haben, das ich mir wünsche, oder überwiegt der Stress? oder Stecke ich mich auf Bali mit einem mutierten Corona-Virus an? 
Es wird dauern, bis das Gefühl der Planungssicherheit auch bei Fernreisen wiedergekehrt ist.

„Die aktuelle Lage überfordert mich total. Das ist nur noch Stress und hat mit Urlaub nichts mehr zu tun. Seit Monaten freuen wir uns auf Thailand und jetzt wird aus dem Urlaub nichts und wir bleiben auf den Kosten sitzen.“ 

(O-Ton Individualreisender)

Ist die Corona-Pandemie bewältigt, glauben wir (und man muss kein Prophet sein, um das zu erahnen), dass die meisten Menschen in alte Verhaltensmuster zurückfallen, was das Reisen angeht. Oder auch schon früher — oder zu früh (siehe die schockierte Erkenntnis der ersten Malle-Touristen, dass Ballermann ohne Geballer wirklich langweilig ist)?

Ja, schon klar, keine Panik … wenn das so einfach wäre.

Und wenn wir nur speziell auf Jugendliche und junge Erwachsene blicken, die in diesem Jahr gelernt haben, dass es einen neuen unsichtbaren Feind gibt, einer, der nicht vor Landesgrenzen oder Ferien oder Urlaub haltmacht. Entstehen da gerade unbemerkt Traumata, die zu einem angstvollen Weltbild führen, weil sie die Vorsicht vor dem Unbekannten auch bewusst oder unbewusst von den eigenen Eltern eingeimpft bekommen?

Darauf haben wir noch keine Antwort, aber wir werden die Daten im Auge behalten.

„Aktuell sind wir uns in der Familie eigentlich einig, dass wir uns mit Kindern nicht gut fühlen, in Zeiten von Corona einen Familienurlaub zu machen. Ich habe einfach keine Lust, so viel Geld auszugeben, um dann, überspitzt gesagt, mit Mundschutz am Strand zu liegen und auf Dinge wie Frühstücksbuffet usw. verzichten zu müssen oder einfach Panik zu haben, die Kinder könnten sich irgendwo anstecken …“

(O-Ton Paulschaltouristin)

Fazit: Die wichtigsten Erkenntnisse (tl;dr)

Über allem steht der Wunsch nach Planungssicherheit. Deshalb werden es Reiseportale schwer haben, die nur preisoptimiert sind, da sie bei ungeplanten Ereignissen wie der Corona-Pandemie keinen Service bieten. Egal ob Pauschali oder Individuali: Verlässliche Partner in unsicheren Zeiten werden gesucht. Pauschalreisen mit Individualreise-Charakter werden an Attraktivität gewinnen, veranstaltet von Anbietern, die persönliche Ansprechpartner zur Seite stellen, die erreichbar sind und individuell beraten.

Spätestens seit den jüngsten Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen will doch auch der Mensch nicht mehr Teil einer anonymen Massenabfertigung sein. Das ist eine Chance für kleine Hotels oder Kleinstgruppenreisen, die sich wie Individualurlaub anfühlen, aber mit der Planungssicherheit einer klassischen Pauschalreise kombiniert.

Freiheit, Ruhe, Meer - eine unschlagbare Kombination für viele.

Das Interesse an Alternativen, die eine größere Freiheit versprechen, wie die Reise mit dem Wohnmobil, per Fahrrad oder Camping wächst! Dazu im 2. Teil dieser Serie mehr. In jedem Artikel blicken wir auf kurz- und mittelfristige Trends in der Reisebranche und entwickeln Ideen sowie Szenarien für potenzielle Innovationen.

Wer ist eigentlich dieses »wir«, das diesen Artikel verfasst hat? Wir sind Blood, Dadora und Dark Horse. Drei Agenturen, die kreative Innovationsentwicklung betreiben und leben. Für einige große Projekte bündeln wir unsere Expertisen: Dadora sammelt Daten und bereitet sie auf, Dark Horse entwickelt Konzepte für neue Produkte und Services und Blood setzt diese Konzepte um und bringt sie mit smarten Strategien in den Markt. Die Grenzen sind natürlich fließend. Alles geht Hand in Hand, von Anfang bis Ende. Wie bei einem dreiköpfigen Zerberus, aber in lieb.

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Unser neuer Artikel in der HORIZONT ist online!
Digitale Marktforschung für einen tiefen Einblick in menschliche Bedürfnisse – oder auch: Damit wir Kreativen endlich auch mal ein paar Daten zur Verfügung haben… Als Marktforschung in München haben wir uns darauf spezialisiert, die Sicht des Kunden ohne externe Beeinflussung in den Vordergrund zu stellen. In dem Artikel beschreiben wir die wichtigsten Ziele, Methoden und Herangehensweisen an unsere Analysen und Studien. 

Hier geht es zum Artikel…

Digitale Marktforschung auf Basis von User Generated Content für einen ungestützten Einblick in menschliche Bedürfnisse: Diese Idee entwickelte Johanna Schönberger. Sie war auf der Sucher nach gut designten neuen Produkten und stellte fest, ohne die Meinung der Konsumenten klappt das nicht. Dann gründete sie das Startup Dadora, das mit Big Data und Social Listening deren Wünsche erkennt.

Auf Foren sprechen viele tausend Menschen aus eigenem Antrieb ausführlich über ihre Wünsche und Probleme. Mit diesen Gesprächen und Diskussionen erzeugen sie sogenannten  „User Generated Content“. Durch den Einsatz von Sprachverarbeitung und Text Analytics lässt sich so herausfinden, welche natürlichen Bedürfnisse, Wünsche und Ängste Menschen einem Thema gegenüber haben, ohne durch das Stellen einer Frage deren Antwort zu beeinflussen.

"Wer spricht, sät, und wer zuhört, erntet."

Sprichwort aus Argentinien
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Digitale Marktforschung – Video

DADORA hilft Kundenbedürfnisse in Echtzeit zu verstehen. Dank Digitaler Marktforschung mit Algorithmen, Künstlicher Intelligenz (KI) und Methoden natürlicher Sprachverarbeitung (NLP) kommt auch Carl bei seiner Produktinnovation weiter…

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DADORA_Mit Big Data den richtigen Markennamen finden
  1. Ein aussagekräftiger, prägnanter Markenname kann über Top oder Flop einer Markteinführung entscheiden.
  2. Viele Unternehmen betreiben daher großen Aufwand, um das perfekte Wording für die nächste Marke, Kampagne oder ein Produkt zu entwickeln. Sie beauftragen Kreativagenturen und Marktforscher, liegen aber dennoch oft daneben. 
  3. Neben rechtlichen sind vor allem auch sprachlich-kulturelle Aspekte bei der Wahl des Markennamens relevant. Die Digitale Marktforschung kann hierbei einen großen Beitrag leisten.
  4. DADORA erforscht mit KI (Künstlicher Intelligenz) und Big Data die Einstellung von Verbrauchern. Im folgenden Artikel zeigen wir, welche Rolle die Nutzerperspektive bei der Namensfindung spielen sollte. Wir verwenden einen Datensatz zum Thema „Lebensmittel und Ernährung“ am Beispiel von Teigwaren. 

Von Edith Franczok

„Als ich ein Kind war, aß man noch Nudeln, irgendwann aß man dann Pasta, heute isst man nur noch Kohlenhydrate“.

Pinterest-Spruch

Teigwaren – ein Thema, viele potenzielle Markennamen.

Nudeln oder Pasta – wer is(s)t was?

Eine kleine Begriffsklärung vorweg:

Nudeln sind beliebig geformte Teigwaren aus gemahlenem Getreide, die vor dem Verzehr gekocht werden.

Das Wort Pasta kommt von dem italienischen Wort „pasta“, welches soviel wie Paste oder Teig bedeutet. Heutzutage wird das Wort Pasta ausschließlich für Nudeln nach italienischer Art verwendet. In englischsprachigen Ländern wird das Wort „noodles“ allgemeiner verwendet. 

Wie benenne ich meine Teigware?

Hier in Deutschland gibt es strenge Richtlinien für die Bezeichnung bzw. den „Namen“ des Lebensmittels. Der Name muss das Produkt so eindeutig beschreiben, dass man versteht, um welches Lebensmittel es sich handelt. 

Prozess – klassische MaFo vs. Digitale Marktforschung

Das Finden des richtigen Markennamens ist ein langer und meist kostenintensiver Prozess für Unternehmen. Dabei wird oftmals die Zielgruppe bzw. der Endnutzer in den ersten Schritten außer Acht gelassen. Erst nach einem langen Zyklus der Ideenfindung wird den Verbrauchern das vorläufige Ergebnis vorgestellt. Die unterschiedlichen Namensvorschläge werden dann in klassischen Marktforschungsstudie beurteilt. Die Befragten sollen den für sie besten Namen auswählen. Am Ende der Befragung siegt der Name, der das höchste Voting hat. 

Dieser Prozess weist allerdings fehlerträchtige Punkte auf:
1. Namensfindung auf Agentur- oder Unternehmensseite fern vom Verbraucher.
2. Namenstest gestützt aber auch beeinflusst durch die Fragestellung.
3. Abhängig von der befragten Zielgruppe (Stichprobe) siegt ein bestimmter Name.

Am Ende des Prozesses hat man einen Namen gefunden, der möglicherweise nur perfekt zur Stichprobe passend einen kleinen Teil der Endkunden anspricht. Gestalten wir den Prozess mal probeweise ganz anders. Lernen wir zuerst unsere Zielgruppe kennen. Allerdings nicht über eine klassische Marktforschungsbefragung, sondern mittels der Digitalen Marktforschung.

Durch die Nutzung von aggregierten Daten aus Foren zu dem Thema „Essen und Ernährung“ hören wir direktunbeeinflusst, was der Verbraucher über Nudeln bzw. Pasta denkt. So reichern wir gestützt von Verbrauchermeinungen den Namensfindungsprozess automatisch an. Die Digitale Marktforschung hört und sieht Ideen von Nutzern, die von diesen selbst veröffentlicht werden (z.B. in Foren, Blogs. etc). In diesem Fall von unseren Pasta- bzw. Nudelliebhabern.

Markennamen finden mit Hilfe einer Zielgruppenanalyse

Wie unterscheidet sich der Pasta-Esser vom Nudel-Esser?

In unserem Prozess gehen wir vom Endkunden aus und stellen uns folgende Fragen:

  • Was charakterisiert unsere Zielgruppe?
  • Gibt es mehrere Zielgruppen?
  • Was bewegt unsere Zielgruppe?

Sehen wir in unserer Datenquelle zum Thema Ernährung nach und lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, ob es tatsächlich nennenswerte Unterschiede gibt, die wir bei der Namensfindung berücksichtigen sollten.

Der „Pasta Esser“ outet sich als wahrer Nudelliebhaber. Er kocht die unterschiedlichsten italienischen Sorten wie Rigatoni, Spaghetti, Linguine, Tagliatelle – am liebsten selbstgemacht. Gerne serviert in Kombination mit den verschiedensten Saucen wie Sahne-, Tomaten-, Feta- oder Meeresfrüchtesaucen.

Mit der Pasta kommt das italienische Lebensgefühl. Reisen und Sommer werden stark mit Pasta in Verbindung gebracht.

 

Markennamen finden - Überblick Pasta
In „Semantischen Karten“ sehen wir eine komplette Übersicht an Themen, die beispielsweise unseren „Pasta Esser“ interessiert. Wir finden darin direkte Zusammenhänge und Relevanz zwischen einzelnen Themen.Hier sieht man eine Semantische Karte von Diskussionen, die sich um Ernährung drehen, basierend auf 6,4 Mio. aggregierten Diskussionen von ca. 60.000 anonymisierten Nutzern zum Thema „Pasta“ von 2000 bis 2019 im deutschsprachigen Raum mit Fokus Deutschland.

Über semantisch ähnliche Begriffe erhalten wir weitere Details über unseren „Pasta Liebhaber“.

Richtigen Namen finden- Häufigsten Begriffe in Zusammenhang mit Pasta
Die häufigsten Begriffe im Titel und Text von Diskussionen, die sich um Ernährung drehen, basierend auf 6,4 Mio. aggregierten Diskussionen von ca. 60.000 anonymisierten Nutzern zum Thema „Pasta“ von 2000 bis 2019 im deutschsprachigen Raum mit Fokus Deutschland.

Der Pasta Esser „zelebriert“ das Essen. Für ihn ist Pasta ein Bestandteil eines schönen „Dinners“ mit mehreren Gängen, also Teil eines Menüs. Pasta eignet sich als vegetarisches Gericht, da fleischarm bzw.-los. Der Pasta-Esser an sich ist eher Vegetarier, liebt nebenher noch die französische Küche und „amore“, die Liebe. (Quelle: „Vorlieben“ des Forumschreibers in unserer Datenquelle)

 

Was charakterisiert den Nudelesser als Zielgruppe?

Die semantische Karte zum Thema Nudeln hilft uns weiter:

Richtigen Markennamen finden mit Digitaler Marktforschung- Semantische Karte Nudeln
Semantische Karte von Diskussionen, die sich um Ernährung drehen, basierend auf 6,4 Mio. aggregierten Diskussionen von ca. 60.000 anonymisierten Nutzern zum Thema „Nudeln“ von 2000 bis 2019 im deutschsprachigen Raum mit Fokus Deutschland.

Nudeln werden meist als einfaches Gericht mit Tomaten- oder Hackfleischsoße serviert – schnell und unkompliziert. Während es für den „Pasta Esser“ ausschließlich Pasta gibt, hat der Nudelesser zusätzliche, einfache Gerichte wie Bratkartoffeln, Pellkartoffeln sowie Reis auf dem Speiseplan. Fleisch, Kuchen und Aufläufe sind beliebte Gerichte (Quelle: „das schmeckt“ dem einzelnen Forumschreiber aus unserer Datenquelle).

Gehen wir einen Analyseschritt weiter, so sehen wir, dass der Nudelesser tendenziell sparsam lebt und Nudeln oft in den Wochenplan einkalkuliert. Nudeln sind ein klassisches Gericht für Kinder und werden daher gerne von Müttern, Erziehern, Lehrern gekocht.

Der Pasta Liebhaber hat eher einen intellektuellen oder spezialisierten Einschlag wie Koch, Musiker.

Somit haben wir mit Hilfe von nur einer Datenquelle sehr viel über unseren Nudel- bzw. Pasta-Liebhaber erfahren – alles ohne eine direkte Befragung.

Richtigen Markennamen finden mit Digitaler Marktforschung-Häufigsten Begriffe zum Thema Nudeln
Die häufigsten Begriffe im Titel und Text von Diskussionen, die sich um Ernährung drehen, basierend auf 6,4 Mio. aggregierten Diskussionen von ca. 60.000 anonymisierten Nutzern zum Thema „Nudeln“ von 2000 bis 2019 im deutschsprachigen Raum mit Fokus Deutschland.

Welche Erkenntnisse kann man als Hersteller daraus ziehen?

Wir haben in unserem kleinen Beispiel gesehen, dass es klare Unterschiede für das Marketing gibt je nach Wording: „Pasta“ oder „Nudeln“. Möchten wir den

  • „sparsamen Nudelesser“ oder
  • „genießerischer Pastaesser“

als Kunden ansprechen?

Wollen wir unser Produkt im Bereich Pasta platzieren, können wir beispielsweise mit dem neuen Produktnamen ein italienisches Feeling erzeugen.

Wir wissen, dass der „Pasta-Esser“ die Saucenvielfalt genießt. So wäre eine weitere Möglichkeit, die neue Pasta als Kombinationsprodukt mit einer Sauce anzubieten.

Entscheiden wir uns dagegen in Richtung Nudeln zu gehen, können wir das Produkt ähnlich wie die Kinderschokolade als „Kindernudeln“ vermarkten.

Fazit

Es ist wichtig, vor der Namensfindung die vermeintliche Zielgruppe kennenzulernen und diese zu verstehen. Deren Sprache sprechen zu lernen. Und wenn wir die Sprache verstanden haben, können wir auf Basis der neugewonnenen Daten den richtigen Namen finden.

Die Digitale Marktforschung bietet Möglichkeiten für jeden dieser Schritte, da der Verbraucher direkt zu uns spricht.

  • Finde die zutreffende Zielgruppe, die Du angehen möchtest.
  • Lerne diese Zielgruppe kennen und verstehen.
  • Finde innerhalb dieser Zielgruppe Deine Ideen in deren Sprache

Viele Prozessschritte werden über nur eine Methode abgedeckt: der Digitalen Marktforschung.

Wir können unser Pasta-/ Nudelbeispiel noch vertiefen in dem wir Euch zeigen, wie wichtig die Schreibweise bei der Namensgebung ist. Dies könnt Ihr gerne in unserem kommenden Artikel lesen.

…am Beispiel von Lebensmittel-&-Ernährungs-Daten.

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Medium-Artikel von Dark Horse über DADORA.

Neulich ist er wieder passiert, dieser eine Moment, der so unendlich frustrierend ist: Wir sind bei einem großen Konzern und haben zwei Teams durch einen knackigen Design-Sprint gecoacht. Ein paar gute Ideen-Konzepte sind dabei, die viel Arbeit und Mut gekostet haben, aber am Ende am Veto des Chefs scheitern. Er hatte das Budget fürs Projekt frei gemacht und verspricht sich politische Strahlkraft nach oben. …

Dark Horse, die von uns so gefeierte Innovationsagentur aus Berlin, hat einen Artikel über die erste Zusammenarbeit mit uns geschrieben. Hier geht es weiter zur Lektüre!

Abgesehen davon gibt es von Dark Horse unser Lieblingsstandard-Werk zum Thema Design Thinking oder kurz, zu sinnvollem Arbeiten.

Das Digital Innovation Playbook

Unbedingt lesen und dann nur noch so…!

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Wasserfall-Prozesse haben bei komplexen Aufgaben keine Chance. Warum Agile Produktentwicklung und Scrum die Lösung für die Entwicklung komplexer Produkte sind.

Von Johanna Schoenberger und Felix Neumann

„Was ein Programmierer in einem Monat schafft, schaffen zwei Programmierer in zwei Monaten.“

Der alte Softwareentwickler-Witz zeigt das Hauptproblem, das bei der Entwicklung komplexer Produkte oder Services auftaucht: Mehr Ressourcen, sprich Mitarbeiter, bedeuten im Normalfall nicht mehr Effizienz, sondern weniger.

Umso größer das Team, umso mehr Selbstumkreisung betreibt es. Besonders in großen Unternehmen arbeiten Teams meist nur einen kleinen Teil ihrer Zeit an der konkreten Weiterentwicklung des eigentlichen Produkts / Services. Den deutlich größeren Teil ihrer Zeit verbringen sie mit Meetings, Abstimmungsrunden, Entscheider-Kreisen… Agile Entwicklung und Scrum ist das genaue Gegenteil.

Komplexe IT-Aufgaben und der „Wasserfall“

Softwareentwicklung ist ein hochkomplexes Unterfangen. Die Komponenten, die entwickelt werden, stehen miteinander in Wechselwirkung. Die geringste Störung kann das gesamte System beeinflussen. Die Zusammenarbeit von Teams muss also sitzen. Probleme oder Bugs sind unvorhersehbar, müssen aber unmittelbar gelöst werden.

Klassische Wasserfall-Prozesse mit Planungsphasen, Lastenheften und hierarchischen Entscheidern, die alle Verantwortung tragen, haben unter solchen Bedingungen keine Aussicht auf Erfolg.

Die Antwort heißt „Agile Softwareentwicklung“

So sind in der IT schon in den frühen 90ern „agile“ Arbeitsweisen entstanden. Komplexe Aufgaben werden hierbei soweit zerlegt, bis sie handhabbar und umsetzbar werden.

Um agil arbeiten zu können, braucht es eine Grundhaltung, die in der traditionellen Wasserfall-Welt eher ungewöhnlich erscheint.

So heißt es im „Agile Manifest“:

„Wir schätzen…

  • Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge“
  • funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation“
  •  …Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung“
  • Reaktionsfähigkeit mehr als das Befolgen eines Plans“

Pragmatismus statt Hierarchie

Statt Protokollen, Lastenheften und Hierarchiediskussionen rückt die konkrete Umsetzbarkeit in den Fokus: ein gesunder, zielgerichteter Pragmatismus übernimmt. Ziel ist hohe Qualität, Geschwindigkeit („Time-to-Market“) und vor allem eine laufende Verbesserung der Teamzusammenarbeit und -Performance.

Von vornherein ist klar, dass sich Anforderungen ändern und technische Probleme auftauchen können, die im Voraus nicht abzusehen sind. Statt im Detail zu planen und sich gegen persönliche Planungsfehler abzusichern, werden Veränderungen von Anfang an als natürlicher Bestandteil im Vorgehen mit eingeplant. Das Team übernimmt gemeinsam die Verantwortung für das Ergebnis.

Rahmenwerke (Frameworks)

Die Leit- und Grundsätze des agilen Arbeitens sind sehr allgemein gehalten: „Einfachheit […] ist essenziell“, „Die besten Architekturen […] entstehen durch selbstorganisierte Teams“, etc.

Um die Prinzipien in die Praxis zu übertragen, gibt es zahlreiche agile Rahmenwerke wie Scrum (Empirische Prozesskontrolle), Kanban (Optimierung des Arbeitsflusses durch Visualisierung) oder Lean Management (Wertmaximierung durch die Vermeidung von Verschwendung). Sie alle leisten verschiedene Aufgaben und werden häufig im Zusammenspiel genutzt.

Kurzer Einblick: Scrum als agile Methode

Scrum ist eines der populärsten agilen Prozess-Rahmenwerke. Scrum dient „zur Entwicklung, Auslieferung und Erhaltung komplexer Produkte“. Scrum beschreibt ein überschaubares Set von „Scrum Rollen“, „Ereignissen“,Artefakten“ und „Regeln“, die sie miteinander verbinden. Das Ziel von Scrum ist es, die relative Wirksamkeit des Produktmanagements und der Arbeitstechniken eines Teams sichtbar zu machen, damit man das Produkt, das Team und die Arbeitsumgebung laufend verbessern kann.

Das Scrum Team & Rollen – Grundlage für die agile Organisation

Scrum bestimmt, welche der drei Rollen innerhalb eines Scrum Teams – Product Owner, Scrum Master und Entwicklungsteam – welche Aufgaben umzusetzen hat:

  • Der Produkt Owner ist dafür verantwortlich, den Wert des Produkts zu maximieren. Er steuert ihn vor allem durch die Spezifikationen des Produktes über das Product Backlog.
  • Das Entwicklungsteam ist ein Team aus Profis, das seine Arbeit selbst organisiert und managed. Seine Aufgabe ist es, die Spezifikationen umzusetzen. 
  • Der Scrum Master ist der „Servant Leader“, der Team-Coach: er räumt sämtliche Unternehmens-bedingte Hinderungsgründe aus dem Weg, so dass das Entwicklungsteam effizient arbeiten kann. Und er sorgt vor allem für eine gute Kommunikation im Team – der Faktor, der am Ende über Gelingen oder Scheitern eines Teams bestimmt.

In schönstem Entwickler-Humor zeigt das folgende Video die Tätigkeiten des Scrum-Masters:

Sprint – weg vom „Projekt“ hin zum fortlaufenden Prozess

Im Zentrum von Scrum steht der sog. „Sprint„: Ein definierter Zeitraum von meist zwei oder drei (max. vier) Wochen. In dieser Zeit wird genau ein nutzbares, potenziell auslieferbares „Produktinkrement“ umgesetzt. Jeder Sprint wird auf die immer gleiche Weise mit einem Planungs- und einem Reviewereignis begonnen bzw. abgeschlossen. (Der Begriff “Meeting” wird bewusst vermieden – schließlich soll während eines Ereignisses gearbeitet werden).

Während eines Sprints trifft sich das Entwicklerteam täglich zu einem 15-minütigen „Daily Scrum“. Dabei wird die Arbeit für die nächsten 24 Stunden geplant und der Arbeitsfortschritt überprüft. Am Ende eines Sprints wird außerdem nicht nur über das Ergebnis reflektiert (Sprint Review). Auch die Zusammenarbeit im Team (Sprint Retrospektive) wird besprochen und man überlegt, was im nächsten Sprint verbessert werden sollte. 

Reporting ist abgeschafft

Eine erwähnenswerte (und besonders für traditionell gesteuerte Unternehmen fast kuriose) Scrum-Regel ist: das Reporting ist abgeschafft! Wer wissen will, wo die Entwicklung aktuell steht, kann sich über das Backlog oder eine Teilnahme an Sprint Reviews selbst ein Bild vom Status Quo machen – und zwar „face-to-face“. Eine der Hauptaufgaben des Managements fällt dadurch weg – und es entsteht viel freie Zeit, in der sich der Product Owner neue Ideen für die Verbesserung des Produkts ausdenken kann.

Die kleine Scrum-Schule – 
Methoden & Prinzipien

Wer sich mit Scrum noch nicht auskennt und ins Detail gehen möchte:

Das „Aber“: Herausforderungen bei der Umsetzung agiler Methoden – Oder „Agilität beginnt im Kopf“…

Für die meisten (und vor allem für kreativ veranlagte) Menschen klingen agile Prinzipien nach paradiesischen Zuständen. Auch immer mehr Unternehmen verstehen, dass unsere „connected times“ neue Arbeitsweisen verlangen und schwenken um auf agile Prozesse. Leider sind sie natürlich trotzdem noch lange kein Wundermittel: Nicht jedes Team arbeitet automatisch effizienter, nur weil es „agil“ unterwegs ist. Das liegt vor allem daran, dass der Weg vom bekannten, hierarchisch geprägten Wasserfall-Prozess hin zu einem selbstgesteuerten System (ohne Reporting!) für ältere Unternehmen (und die damit einhergehenden Strukturen v.a. im Kopf der Mitarbeiter) schwer zu verkraften ist. 

Zu diesem Punkt lohnt sich ein eigener Artikel, den wir demnächst liefern. Wer sich davor aber schon mal inspirieren lassen möchte – hier ein schöner Podcast zum Thema:

Mein Scrum ist kaputt

Fazit

In agilen Entwicklungsprozessen entstehen laufend neue Ideen. Fragestellungen werden schrittweise angepasst und optimiert. Die Geschwindigkeit ist dabei hoch, was allen Beteiligten große Flexibilität abverlangt. Gerade in so dynamischen Prozessen ist es dabei wichtig, alle Schritte an einer soliden Datengrundlage auszurichten.

Mit klassischer Marktforschung war es bisher schwer, die erforderliche Geschwindigkeit und Flexibilität zu erreichen: Es war weder von den Kosten noch zeitlich machbar, für jede neue Fragestellung eine neue Umfrage durchzuführen. Im Gegensatz dazu erzeugt die Digitale Marktforschung riesige, repräsentative Datensätze, die selbst so große Themengebiete wie beispielsweise „Mobilität“ vollständig beinhalten. So müssen die Daten für neue Fragestellungen nicht jedes Mal wieder neu erfasst werden. Auftauchende Ideen oder Hypothesen lassen sich stattdessen mit dem vorhandenen Datensatz direkt und in Echtzeit beantworten.

So verfügen Entwicklerteams und Produktverantwortliche mit Digitaler Marktforschung während der Entwicklungs- und Umsetzungsphase (Design Thinking, agiles Scrum oder klassisches Projekt) über eine nachhaltige Datengrundlage, die es ermöglicht, jeden Entwicklungsschritt am Kunden und Markt auszurichten.

Weiterführende Links und Quellen

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